An den vier Enden der Welt
An den vier Enden der Welt
Niepoort in Portugal: Die weltweit bekannte Marke für legendäre Portweine aus dem Douro-Tal
Rund 120 Kilometer östlich der nordportugiesischen Stadt Porto schlängelt sich der längste Fluss der iberischen Halbinsel durch eine atemberaubende Tallandschaft – das Douro-Tal. Hier wird seit zweitausend Jahren auf Schiefer und Granit Wein angebaut, es ist eines der ältesten Weinanbaugebiet weltweit, inzwischen mit geschützter Herkunftsbezeichnung. 2001 wurde das Gebiet des Alto Douro zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Seitdem widmet sich die immer jung gebliebene Familie insbesondere der Herstellung von exquisitem Portwein und schöpft aus ihren Erfahrungen aus Diskurs, Leidenschaft und familiärem Zusammenhalt von fünf Generationen. Sie haben Niepoort zu einem der weltberühmtesten Portweinhäuser und Top-Portwein-Erzeugern der Welt und inzwischen auch zum erfolgreichsten Tafelweinhaus Portugals geformt.
Die Generationen der Familie Niepoort
Die Geschichte des Hauses Niepoort haben sechs Generationen in einer bemerkenswerten Weise geschrieben: Immer waren es zwei Generationen, die zusammen einen erfolgreichen Übergang der Familien- und Unternehmensgeschichte gestaltet haben. Weitergeben hieß das Zauberwort, das alles erklärte. Das bezog sich stets auf die gemeinsame Leidenschaft für Wein und für das Douro-Gebiet, auf den Respekt vor den Traditionen und auf den unbändigen Drang zu neuen kreativen Wegen.
Als 1842 der damals 29jährige, im holländischen Hilversum geborene Kaufmann Franciscus Marius van der Niepoort nach Portugal zog und mit dem Portweinhandel begann, besaß er weder eigenes Land noch Weinberge. Franciscus heiratete Francisca Louisa Elisabeth Ehlers und starb am 7. März 1887 in Porto. Schon 1848 stieg mit seinem Sohn Eduard Karel Jackob die zweite Generation ins Geschäft ein und schaffte es, sich weiterhin an Portweinen hoher Qualität zu orientieren und damit den Ruf des Niepoort-Hauses zu festigen. Nachdem Eduard mit 64 Jahren verstorben war, übernahm 1890 der damals 22-jährige, wissenschaftsbegeisterte Sohn Eduard Marius die Führung des Familienunternehmens. Erst im Alter von fast 90 Jahren beschloss er, die Leitung des Unternehmens abzugeben, um sich seiner Sammelleidenschaft für Bücher, Briefmarken, Münzen oder Zugfahrkarten zu widmen, an die sich seine Enkel Dirk und Verena noch gut erinnern. 1927 kam die vierte Generation mit Eduard Rudolf van der Niepoort, kurz Rolf genannt, in den Betrieb. Rolf blieb dem Douro-Tal fest verbunden und investierte ungeachtet der portugiesischen Revolution und einer Finanzkrise weiter in das Geschäft.
Rolfs in Porto geborene Sohn Eduard Dirk Van der Niepoort stellte ab 1964 die Weichen, die Niepoort zu dem bedeutendsten portugiesischen Weinproduzenten gemacht haben. Dirk hatte keine Winzerausbildung, sondern ein Wirtschaftsdiplom der Universität St. Gallen mit einem Praktikum bei Mövenpick und in der Cuvaison Winery in Kalifornien, was beides sein Interesse am Wein erst richtig verstärkte. Durch Zukäufe von Weingütern Ende der 80er Jahre wandelte sich das Portweinunternehmen zu einem breit aufgestellten Weinanbaubetrieb. Mit mehr oder weniger Zustimmung seines Vaters Rolf konnte Dirk mit Experimenten und Innovationen Weine kreieren, die bald schon nicht nur in der Familie, sondern in Portugal und der Welt Lob und Anerkennung fanden. 1987 übernahm er den Betrieb auch formal von seinem Vater.
Seit 2004 wirken Dirks Kinder Daniel, Marco und Ana Niepoort als nächste Generation im Unternehmen mit. Seit 2020 nimmt der älteste Sohn Daniel wesentlichen Einfluss auf die Vinifikation der Weine. Marco kümmert sich um die Kontakte von Niepoort zum deutschen Markt und entwickelt das FIO-Projekt an der Mosel weiter, auf das noch einzugehen sein wird.
2023 wurde Dirk in die „Hall of Fame“ des Wein-Magazins DECANTER aufgenommen. Auch wenn er inzwischen zur lebenden Legende geworden ist, so ist der über 180 Jahren bewährte zwei-Generationen-Übergang bereits angelaufen.
Fortsetzung folgt…

Für Dirk war es ungeachtet seines Innovationsdrangs von Anfang an immens wichtig, die über die Generationen bewährten Traditionen nicht einfach zu ignorieren, sondern auf ihnen mit Respekt aufzubauen. So fiel es ihm auch leichter, seinen Vater mitzunehmen, als er begann, seine unkonventionellen Einfälle im Betrieb mit grenzenlosem Engagement umzusetzen. Seine Neugier schlug schon bald in inspirierende Visionen um, die er schrittweise, aber vehement realisierte. Dabei stützte er sich stets auf seinen Perfektionismus, seine Liebe zum Detail und auf seinen Mut, ständig Neues zu wagen. Dabei erkannte er immer an, dass Wein ein Produkt der Natur ist, eine Komposition von Rebsorte, Boden und Klima – des Terroirs eben.

Angesichts des familienspezifischen engen Verhältnisses zur Natur war es konsequent, dass sich Niepoort längst den Grundsätzen des biodynamischen Weinbaus zugewandt hat. Es war schon immer einer der wichtigsten Grundsätze von Dirk, im Weinberg die Natur zu schonen und im Keller den Trauben und Weinen weitestgehend freie Fahrt zu geben.
Eine von Dirks aktuellen Aktivitäten ist der Anstoß der Bewegung NAT’COOL, mit der er zusammen mit verschieden Winzern aus Portugal und anderen Ländern einen Trend zu „puristischen, authentischen und unkomplizierten Weine, die Lust aufs Trinken machen“ bestärken will. Neben einem eher niedrigen Alkoholgehalt sollen Aroma, Gaumengefühl, Transparenz und Farbe des Weins in den Vordergrund rücken und mit möglichst wenig Eingriffen in die Natur das Terroir schmecken lassen. NAT’COOL bringt Leichtigkeit und Schwung nicht nur in die in Literflaschen abgefüllten Weine, sondern in ein Leben voller Spaß und Gemeinsinn.
Im Douro-Tal werden von Niepoort derzeit etwa 70 Hektar Rebflächen bewirtschaftet. Hier sind Dirks Sohn Daniel und der Weinmacher Luís Pedro zuständig, während die Herstellung der Portweine in Vale de Mendiz im Pinhão-Tal Dirks langjähriger Weggefährte Nick Delaforce betreut. In den Weinbergen von Niepoort im Duoro-Tal wachsen Rebsorten wie Dona Branca, Bical, Codega do Larinho, Gouveio, Rabigato und Viosinh. Es sind die alten, bewährten Sorten, von denen bislang keine durch internationale Sorten ersetzt wurde. Sie verstehen sich bestens mit den geologischen und klimatischen Besonderheiten der Region. Die Vegetationsperiode ist warm und trocken, was bekanntlich am ehesten rote Sorten lieben.

Die Kellergewölbe von Niepoort in Vila Nova de Gaia bergen so manches Geheimnis der Weinbereitung, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Hier war immer entscheidend, dass nach Perfektion und höchster Qualität gestrebt wird.
Der internationale Erfolg der Portweine wie der Rot- und Weißweine bestätigt nicht nur den richtigen Weg, sondern ist Vorbild für die gesamte Weinwirtschaft Portugals. Darüber hinaus hat Dirk etliche Projekte initiiert und sich weit über Portugal hinaus engagiert. Gemeinsam mit Ernst Loosen vinifizierte er den berühmten Wein Graacher Himmelreich. Dirk engagierte sich auch betrieblich und familiär an der Mosel: Gemeinsam mit seinen Söhnen Daniel und Marco und dem Winzer Philipp Kettern gründete er in Piesport das Weingut Fio. Mit seiner damaligen Frau Dorli Muhr wiederum gründete Dirk das Weingut Muhr-Van der Niepoort im Carnuntum in Niederösterreich. Eine weitere Gründung war das Weingut Quinta de Baixo in Bairrada. Ein anderes Projekt sind die Douroboys: 5 Starwinzer assemblieren alle fünf Jahre aus ihren besten Fässern eine Magnum, von den nur 750 Stück in den Handel kommen.

Auch nach 180 Jahren Familiengeschichte sind es die hochwertigen Portweine, die die bedeutendste Rolle im Reich der Marke Niepoort Vinhos spielen. Damals waren es hervorragende Vintage Ports, mit denen das Handelshaus Niepoort erst in Portugal und dann weit darüber hinaus bekannt wurde. Heute sind es auch die Ruby- und Tawny Ports und die berühmten Colheitas und Garrafeiras. Der Ruby reift für etwa drei Jahre im Barrique, der Tawny ein wenig länger in kleinen Portwein-Pipes. Wie der Vintage Port ist auch ein Colheita ein Jahrgangs-Portwein, der aber mindestens zehn Jahre lang in kleinen Eichenfässern oxidativ ausgebaut wird. Die Garrafeiras werden wie anno dazumal in Demijohns vinifiziert, das sind bauchige Glasballons mit acht bis elf Litern Fassungsvermögen. Rund 4.000 davon erwarb Niepoort Ende des 19. Jahrhunderts aus einer Glasfabrik in Oldenburg. Es war Eduard Marius Niepoort, der mit dem Jahrgang 1931 die Tradition des Garrafeira begründete.
WISSENSWERTES ÜBER PORTWEIN
Die „Entdeckung“ des Portweins begann wie ein Märchen: Es waren einmal zwei junge Burschen, die von einem großen Handelshaus in Liverpool nach Porto zum Abt von Lamego geschickt wurden, damit sie dort alles über den Weinhandel lernen. Der Abt weihte sie in das Geheimnis ein, wie der Wein lange haltbar gemacht wird und damit über weite Strecken transportiert werden kann: Während der Gärung setzte man ihm Branntwein zu, so dass er süß und fruchtig wurde. Es waren die Jahre nach 1678, als die Engländer den portugiesischen Wein als wohlschmeckenden süßen Portwein nach England brachten und in die gehobene Gesellschaft einführten. Anbau, Kellerei und Handel des Weins waren zwar in portugiesischer Hand, der Exporthandel in Porto wurde aber zu einem großen Teil von den Engländern übernommen, die englische Bezeichnungen für die Weine einführten, die bis heute erhalten geblieben sind. Seit vielen Jahren regelt ein strenges portugiesisches Weingesetz die Portweinherstellung vom Anbau über Ausbau und Lagerung bis zum Export. Das Gebiet der Portweinherstellung ist durch die "Regiao Demarcada" gesetzlich geschützt.
Die wichtigsten roten Portwein-Trauben sind Touriga Nacional, Touriga Francesa, Tinta Amarela, Tinta Barocca, Tinta Cão und Tinta Roriz. Die Reben kommen hauptsächlich aus zwei Gebieten:
▪Dem Baixo Corgo um die Stadt Peso da Regua im westlichen Teil des Douro-Tals. In der Nähe des Atlantiks sind die Niederschlagsmengen höher als landeinwärts und die Temperaturen niedriger. Die Weinberge sind weniger steil und die Erdschicht auf dem Schiefergestein ist tiefer und fruchtbarer. Von hier stammt etwa die Hälfte aller Portweine, vor allem die leichteren Ruby- und Tawnyqualitäten.
▪Im Cima-Corgo rund um den kleinen Ort Pinhão wird etwa ein Drittel des Portweins hergestellt. Das Klima ist heißer und trockener, die Hänge sind steil, felsig und karg. Hier sind die berühmten Quintas der Spitzenerzeuger angesiedelt.
Um die gewünschten Tannine aus der Beerenhaut zu erhalten, wird die Maische mit Holzstößeln oder ähnlichen maschinellen Methoden zerquetscht und manchmal sogar noch gemäß alter Tradition mit bloßen Füssen zertrampelt. Der eigentliche Vorgang, der den Douro-Wein zu Portwein macht, ist der Benefício: Das Aufspriten des gärenden Mostes mit hochprozentigem Weinbrand. Heute wird die Gärung sämtlicher Portweine durch Zugabe von Weinbrand mit ca. 77% bzw. Weindestillat von 98% gestoppt. Der Zeitpunkt des Stoppens beeinflusst den verbleibenden Restzucker. Je nach Stil des Herstellers und Art des Portweins entscheidet der Kellermeister, wieviel (natürlicher) Zucker im Wein verbleiben soll. Je weiter der Wein bereits vergoren ist, desto weniger Brandwein wird hinzugefügt, weil bereits ein höherer Alkoholgehalt aus der Gärung vorhanden ist. Es kommt nämlich darauf an, die gesetzlich vorgeschrieben Volumenprozente Alkohol zu erreichen und sie auch nicht zu überschreiten: zwischen 18 und 21 %.
Der aufgespritete Wein verbleibt normalerweise ein halbes Jahr im Douro-Tal und wird danach in die großen Portweinkellereien nach Porto gebracht, wo der eigentliche Reifungsprozess von mindestens zwei Jahren in Tanks aus Holz oder neuerdings auch aus Stahl oder auf der Flasche stattfindet.
Portwein kann nach Farbe oder nach Qualität und Lagerungsart unterschieden werden. Häufig begegnen einem aus dem Bereich der roten Portwein-Sorten drei Bezeichnungen: Ruby, Vintage und Tawny.
Ruby Ports
Es sind rubinrote bis ganz dunkle Ports, die jung abgefüllt wurden. Der einfache Ruby ist ein etwa 3-jähriger rubinroter Portwein. Er wird aus Weinen verschiedener Jahrgänge verschnitten und trägt keine Jahrgangsangabe.
Vintage
Der Vintage stammt aus einer einzigen Ernte und wird nach 2-3 Jahren abgefüllt, um dann in der Flasche über Jahre und Jahrzehnte zu reifen. Anfangs ist er dunkellila, mit zunehmendem Alter verliert er an Farbe und wird immer heller bis zu einem zarten Orange. Anfangs ist er schroff und unausgeglichen. Mit der Zeit wird er elegant, filigraner und harmonisch, weil sich Alkohol, Zucker, Extrakt und Gerbstoffe ausbalancieren. Fast alle Handelshäuser deklarieren einen Vintage nur in den allerbesten Jahren. Ansonsten bringen sie ihn als Single-Quinta-Vintage oder Vintage-Character Port heraus, der von einem Top-Weingut des Herstellers aus hochwertigen Weinen stammt.
Tawny Ports
Tawnys sind anfangs hellrote Weine, denen man die Farben des Fasses ansieht: Mit zunehmender Lagerung verlieren die Weine ihr Rot, werden tabakfarben und bräunlich; sehr alte Tawnys zeigen oft einen Anflug von Olivgrün. Tawnys haben typischerweise Aromen von Trockenfrüchten wie Dörrobst, Feigen und Datteln. Sie sollten nicht allzu lange gelagert werden, zumal sie sich in der Flasche nicht wesentlich weiterentwickeln.
Weiße Ports
Die von weißen Rebsorten erzeugten Portweine sind nach dem Süßegrad eingeteilt: von extra dry/extra seco bis sweet/dolce. Weiße Ports werden immer seltener im Fass gelagert und eher in Stahltanks ausgebaut.
Wir konnten sechs Portweine von Niepoort Vinhos verkosten.
Dry White

Im Glas strahlt der weiße Port in einem eher dunklen Gold. Er offeriert duftige Aromen von Mandeln, Haselnüssen und Honig mit verschiedenen winzigen Fruchtrichtungen, bei denen Limonen, Birnen und Äpfel mitmischen. Im Mund zeigt er sich mit seinen herausragenden Nuss- und Mandelaromen und einer dezenten Honignuance kraftvoll und erstaunlich frisch. Die gut strukturierte und keineswegs aufdringliche Süße kommt mit einer Anmutung von Quitten daher und ist gut verbunden mit dezenten Karamellnoten. Im langen konzentrierten Abgang kommen noch einmal seine feinen Fruchtnote, sein dichtes Volumen und seine Ausdrucksstärke zur Geltung. Ein mit dem nahtlos integrierten Weinbrand hervorragend ausbalancierter, geschmeidiger Portwein. Servieren Sie ihn gekühlt als trockenen Aperitif: pur, auf Eis mit einer Zitronenscheibe oder in Sekt oder einem portugiesischen Espumante. Er passt auch gut zu Desserts wie Crème brûlée oder Crema Catalana und ist die ideale Basis für Cocktails und Mischgetränke jeder Art.
Trudy Ruby

Aus dem Glas outet sich der dunkelrote Trudy mit frischen aromatischen Zügen von Kirschen, Brombeeren, Heidelbeeren und roten Pflaumen. Er umhüllt die Zunge mit Energie und prägnanter Frische und kommt herrlich feinherb herüber. Die lebendige Säure, die Primärfuchtigkeit, der Extrakt und die feinen Tannine unterstützen einen energischen, akzentuierten Abgang. Ein zeitgemäß cooler unkomplizierter Portwein – easy drinking, aber mit Charakter und großer Klasse. Genießen Sie ihn als Solisten oder in raffinierten Cocktails – für den beschwingten Genuss und leidenschaftliche Momente.
2021 LBV Late Bottled Vintage unfiltered

Bereits in der Nase macht der 2021 LBV mit charaktervollen Eigenschaften auf sich aufmerksam: jede Menge Fruchtnoten von reifen Kirschen mit Anmutungen von Nüssen, Karamell und Marzipan. Am Gaumen vermählen sich Nüsse, Karamell, und Marzipan mit reifen Zwetschgen und extravaganten Partnern wie Amarenakirschen und Schlehen. Eine herrlich salzige Mineralik, deutliche Tannine und eine harmonische Süße prägen den unendlichen, durchaus sanften Abgang. Ein kraftvoller, vollmundiger und gut strukturierter Portwein mit imposanter Harmonie, der sich gut trinken lässt: pur mit Eis oder in einem feinen Cocktail. Er begleitet auch gerne einen Blauschimmelkäse.
Colheita 2009

Im Glas funkelt der Colheita 2009 in schillernden Farben von Bernstein über Mahagoni bis Orange. Das Bukett vermittelt einen aromatischen Eindruck getrockneter Früchte von Rosinen über Aprikosen bis zu Datteln und Feigen. Immer wieder wehen leichte Lüftchen von Orangenzesten, Nüssen und Karamell aus dem Glas dazu ein Hauch von Vanille, Zimt und eine florale Note Richtung Veilchen. Am Gaumen präsentiert er eine aktive Süße und eine solide Balance zwischen präsenter Säure und Fruchtigkeit. Kirschen, Schlehen, reife Zwetschgen, florale Noten und ein leicht salziger Karamellton sind gut wahrnehmbar. Das lange Finale ist tiefgründig, intensiv, hat eine dezente Röstaromatik und generiert eine überraschende Frische. Ein hochwertiger, charakterstarker Portwein mit einer seidigen Textur und einer hochkomplexen, schön oxidativen Aromatik. Lassen Sie diesen Portwein nicht in Cocktails verschwinden, sondern genießen Sie ihn als Digestif oder Aperitif oder zu einer Platte mit gereiftem Käse oder etwas mutiger zu einer großen Auswahl verschiedener Schokoladensorten.
20 Years old Tawny

Ein verführerisches Bukett entweicht dem Glas, das wie alter Cognac brilliert. Es begegnet uns aber keineswegs lediglich ein exotische Fruchtpotpourri mit seichten blumigen Beigaben. Hier geht es robuster zu mit einem hochkomplexen dichten Panorama von Datteln, Feigen, Zimt, einem großen Potpourri gerösteter Nüsse und einer dezenten Fruchtduftigkeit von getrockneten Aprikosen, Granatapfel, Amarenakirschen und überreifen Zwetschgen. Robust heißt hier nicht plump, daher umkreisen so gegensätzliche Aromen wie Zimt, Orangenzesten, blonder Tabak, Nuss-Nougat, Mokka, Karamell und eine zarte Kräuterwürze die Nase und fordern zum endlosen Herumschnüffeln auf. Über die Zunge quillt er üppig süßlich, aber mit einer imposanten Frische. Die Bukett-Aromen gehen nicht unter, sondern werden mit jedem Schluck intensiver und kleiden den Gaumen dicht und differenziert aus, ohne dass die kandierten Früchte klebrig oder marmeladig werden. Alles gleitet harmonisch in ein langes Finish. Wie bei allen klassischen Edelsüßen ist die Balance der Schlüssel zum Genuss. Es kommt auf das Zusammenspiel von strukturierter Säure, Fructose-Süße und sanfter Würze im oxidativen Ausbau an. Alles ist hier mit dem wärmenden Alkohol von 20 Volumenprozent einfühlsam und nuancenreich ausbalanciert. In diesem Portwein haben wir der genialen Komposition die erstaunliche Saftigkeit, die energische Substanz, die konzentrierte Textur und die geheimnisvolle Komplexität zu verdanken. Sie dürfen mit diesem Wein gerne von einer Foie Gras Patè (nicht zu verwechseln mit einer germanischen Gänseleberpastete) oder einem schokoladigen Dessert ablenken oder ihn gleich als Solisten reichen. Lassen Sie sich Schluck für Schluck süchtig machen, vielleicht beginnen Sie auch zu träumen.
Vintage Port 2024
Zum krönenden Abschluss unserer Präsentation stellen wir einen Portwein vor, der erst im September dieses Jahres auf den Markt kommen wird: den Vintage Port 2024. Es ist ein Port, der am 11. März 2026, dem Geburtstag von Dirk Niepoort, offiziell zum Vintage deklariert wurde. Zugleich bezieht er sich auf das Geburtsjahr von Lima und Eduardo Niepoort, der neuen und sechsten Generation der Familie. Nur 25.000 Flaschen werden davon abgefüllt, eine vergleichsweise extrem geringe Anzahl, die schon jetzt als Subskription angefragt werden kann und mit Sicherheit schnell vergriffen sein wird.

Das Jahr 2024 war im Douro-Gebiet zwar von reichlich Regen im Frühjahr, aber von einem so milden Sommer geprägt, dass die Reben ungewöhnlich langsam, aber gleichmäßig und entspannt reiften und die Öchslegrade sich so schleppend aufbauten, dass sehr spät geerntet wurde. Die lange Vegetationsperiode hat gleichwohl den hohen natürlichen Säuregehalt bewahrt und den Trauben Eigenschaften mitgegeben, die letztlich zu einem einzigartigen Portjahrgang führten.
Ein Vintage Port ist die beste Qualitätsstufe eines Portweins. Nur herausragende Jahrgänge werden zu Vintage-Jahrgängen erklärt, wobei jedes Portweinhaus eine eigene Entscheidung trifft, die sie dann dem Portweininstitut meldet. Ein derart deklarierter Portwein wird in Flaschen abgefüllt und reift 20 bis 30 Jahre in der Flasche weiter. In der Fachwelt weckt der Vintage 2024 Erinnerungen an legendäre Jahrgänge wie 1945, 1960, 1970 oder 2005. Wir konnten eine Fassprobe der finalen Cuvée verkosten.
Im Glas funkelt der Wein in einem intensiven Goldton mit einem bernsteinfarbenen Randschimmer. Er duftet energisch in fruchtige Richtungen von Amarena-Kirsche, Schlehe, Heidelbeere und Aprikose, dazu ein Hauch von Mandeln, Safran und zarten Wiesenblumen bis Holunderblüten. Immer wieder drängelt sich ein markanter Ton von Süßholz nach vorne. Am Gaumen breitet sich der Port köstlich süß, konzentriert und würzig zugleich aus. Zu den vielfältigen Aromen aus dem Bukett kommen der Geschmack von heller Schokolade, reifen Zwetschgen, Cassis, Datteln, Akazienhonig und eine winzige Minznote hinzu. Auf der Zunge erscheint überraschend ein pikanter Touch mit einer leisen Anmutung von Pfeffer. Das lange, nuancenreiche Finale wird von vibrierender Säure, reifen, samtigen Tanninen und einer deutlichen, kühlen Schiefer-Mineralik gestützt und lässt Assoziationen an Mandelnougat, Marzipan und Lavendel aufkommen. Obwohl dieser Portwein noch sehr jung ist, imponiert er sowohl mit seiner perfekten und präzisen Balance zwischen souveräner Fruchtigkeit, Säuregerüst und herkunftsbezogener Mineralik, als auch mit einer knackigen Frische und fester Textur ohne erdrückende Opulenz. Ein großer hochkomplexer und eleganter Portwein, der Tradition, Innovation und Noblesse mit Spannung ins Glas bringt und den man schon jetzt genießen kann. Sie können ihn aber auch würdevoll reifen lassen und locker dreißig bis fünfzig Jahre lang alle fünf Jahre eine Flasche öffnen. Sie brauchen also keinen Frosch mehr an die Wand zu werfen, denn mit einem Glas dieses Ports kommt jedes Mal ein Prinz zu Ihnen.
26.06.2026
Fotos: © Niepoort