An den vier Enden der Welt
An den vier Enden der Welt
Das Weingut Van Volxem in Wiltingen: Mit höchsten Qualitätsansprüchen, bewährten Traditionen und handwerklicher Präzision die Weine von geschichtsträchtigen Lagen an der Saar ganz nach vorne bringen
Es gibt wohl kaum ein Weingut und einen Winzer, der sich so verdient gemacht hat um die Wiederbelebung der grandiosen historischen Dimension der Weine von der Saar wie Roman Niewodniczanski mit dem Weingut Van Volxem in Wiltingen südlich von Trier und Konz. Er hat beim weintrinkenden Publikum und in der Fachwelt für die Erkenntnis gesorgt, dass hier, an der Saar, nicht mehr nur die Riesling-Süßlinge drängeln oder die Elblinge versauern, sondern echter Wein gemacht wird – äußerst faszinierend, charaktervoll, terroirbetont und hochwertig.

Das war schon einmal so zu Kaisers Zeiten, als die Saar-Weine während des großen Riesling-Booms an der Mosel und seinen Nebenflüssen mit Preisen weit höher als Bordeaux und Burgund auf den Weinkarten der nobelsten Restaurants und Hotels in aller Welt standen und in den Kellern des europäischen Hochadels landeten. Sie waren in Europa unschlagbar, zumal die Grand-Cru-Weine Europas seinerzeit ganz überwiegend Rotweine waren und es so gut wie keine trockenen Weißweine, sondern reichlich süße gab. Auf den prominenten Trierer Versteigerungen erzielten die Saarweine regelmäßig Spitzenpreise. Damals orientierte man sich am System der Weinschlösser in Burgund, die ein bestimmtes Terroir repräsentieren – eine Richtung, die inzwischen in vielen bedeutenden deutschen Weingütern die wichtigste Orientierung bietet.
Bis 2007 wurde die Region Saar in der Gebietsbezeichnung Mosel-Saar-Ruwer wenigstens noch an zweiter Stelle erwähnt. Heute, wo die Moselaner in der Gebietsbezeichnung Mosel alle Regionen vergemeinschaftet haben, müssen und dürfen die Winzer hier stolz und trotzig korrigieren: Unsere Weine sind von der Saar, nicht von der Mosel. Die Saar-Weine wachsen auf einer Strecke von gerade mal 30 Kilometern von Konz bis Serrig und gehören zu Rheinland-Pfalz, während die einzigen Weinberge des Saarlandes in der Großgemeinde Perl nahe der französischen Grenze zur Obermosel gehören.
Die Geschichte hinter Van Volxem

1999 kam dann der 32jährige Roman Niewodniczanski. Er stammt aus der bekannten Bitburger Brauerei-Dynastie und hatte Betriebswirtschaft und Wirtschaftsgeographie studiert, ist aber ein begeisterter Liebhaber großer Weine aus aller Welt. Seine Diplomarbeit bezog sich auf Erfolgsstrategien der Region Mosel im Vergleich zu anderen Weinbaugebieten. Im Jahr 2000 kaufte Roman das Weingut und kehrte zum Namen Van Volxem zurück. Er ließ die Gebäude historisch authentisch und denkmalgerecht restaurieren und in den Weinbergen die Böden revitalisieren. Über die Jahre machte er das Weingut zu einem der renommiertesten Betriebe ganz oben an der einsamen Spitze der deutschen Weingüter. 2007 wurde es Mitglied des Verbands der Prädikatsweingüter VDP.
Weingut und Architektur als Gesamtkunstwerk
Als das Weingut Van Volxem für das historische Zentrum und den beschaulichen Ortskern von Wiltingen aufgrund seiner wachsenden Größe zur Belastung wurde, ließ Roman Niewodniczanski auf dem Gelände einer ehemaligen Kellerei auf dem Wiltinger Schlossberg mit einem Investitionsvolumen von über 20 Millionen Euro eine neue Manufaktur errichten. Vier Architekten aus Südtirol und eine Innenarchitektin aus Bad Soden planten das Gebäude-Ensemble auf mehr als 6.800 Quadratmetern. Am 9. Juli 2019 eröffnete die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, die neue Manufaktur Van Volxem.

Der Komplex besteht aus einem schon von Weitem sichtbaren turmähnlichen Gebäude, dem „Monolith“, der in Anlehnung an den auf der gegenüberliegenden Hangseite stehenden Bismarckturm von 1893 gestaltet wurde, um den Stolz und das Selbstbewusstsein der damaligen Weltgeltung der Saarweine zum Ausdruck zu bringen.
Das Monolithgebäude ist unterirdisch durch den Holzfasskeller mit der Produktion in einem weiteren Gebäude verbunden. Der vollständig mit Naturstein im Stil moseltypischer Weinbergsmauern ausgekleidete Holzfasskeller beherbergt die Weine aus den Großen Lagen. Die großen und kleinen Eichenfässer wurden von dem bekannten österreichischen Böttcher Franz Stockinger entworfen, das Holz stammte aus familieneigenen Wäldern in der Eifel. Ebenfalls im Untergeschoß des Monoliths liegt der Raritätenkeller. Hier reifen ausgewählte Jahrgänge und Weine aus Spitzenlagen in bienenwabenartig angeordneten Tanks über viele Jahre zu echten Raritäten heran.

Die Fassade des Gebäude-Ensembles ist in hellem, unbehandeltem Muschelkalk gehalten und stellt damit wie auch der Einsatz von Taunusquarz und Devonschiefer eine enge Beziehung zur umgebenden Natur- und Kulturlandschaft her. Die Weinmanufaktur Van Volxem ist im wahrsten Sinne des Wortes eine moderne Hochburg für Weingenießer und eines der größten und innovativsten baulichen Projekte der deutschen und europäischen Weinwelt – Heimstatt für die Entstehung von Saarlegenden im Weltformat.
Das Weingut Van Volxem bewirtschaftet heute bald 100 Hektar Rebfläche. Der Besitz umfasst Parzellen in fast allen nach Süden bis Südwesten ausgerichteten Steillagen der Saar, die zu den besten der Welt zählen: Braunfels, Gottesfuß, Klosterberg, Kupp, Schlangengraben, Volz und Scharzhofberg in Wiltingen, Goldberg und Ritterpfad in Wawern, Altenberg in Kanzem sowie Bockstein und Geisberg in Ockfen. Kurioserweise ist die weltberühmte VDP.GROSSE LAGE Scharzhofberg weinrechtlich nur eine „einzellagenfreie Gemarkung“ und darf nur ohne Ortsbezeichnung gelabelt werden.

Bis auf einige Grauwacke- und Quarzit-Bereiche mit Feinerde sind die meisten Böden geprägt von Rotschiefer, Blauschiefer und vor allem grauem Devonschiefer. Das ist ein bis zu 500 Millionen Jahre altes Gestein, das nach der Grafschaft im Südwesten Englands benannt ist. Es ist über Millionen Jahre zu Stein gequetschter Ton und Schlamm eines urzeitlichen Meeresbeckens. Klimamäßig genießen die Reben die bereits erwähnte lange Vegetationsperiode. Von Mosel und dem schmalen Saartal strömt stetig eine kühle Feuchte in die Seitentäler, was die von den Reben so geliebten großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht garantiert. Zudem sind die Rebanlagen durch die Eifel und den Hunsrück vor extremen Winden und Kälteströmungen geschützt. Das sind alles Eigenschaften einer Cool Climate Region und beste Voraussetzungen für frische, fruchtstarke und komplexe Weine.
Das Sortiment von Van Volxem ist überwiegend in die Linien des VDP eingestellt, insbesondere mit den Großen Gewächsen. Es werden aber auch eine ganze Reihe rebsorten- oder terroirbezogene Gutsweine und zwei Sekte angeboten. Trotz der gezielten Dominanz der trockenen Weine sind auch feinherbe Weine und restsüße Kabinette sowie Spät- und Auslesen im Angebot. Jedes Jahr werden mehr als 600.000 Flaschen abgefüllt, von denen rund die Hälfte in alle Welt exportiert wird.

Im Keller konnten im Zuge des Neubaus nicht nur die neuesten weinbautechnischen Ideen, sondern auch ökologische und soziale Ansprüche umgesetzt werden. Auf einem Laufband wird das eintreffende Lesegut nochmals penibel selektiert, bevor mit modernen Korbkeltern schonend abgepresst wird. Bei der weiteren Traubenverarbeitung wird auf Schwerkraft gesetzt. Der Most gärt spontan und langsam im großen Eichenfass oder temperaturgesteuert im Edelstahl. Auf Enzyme und Schönungsmittel wird verzichtet. Die Weine reifen lange auf der Hefe, vor allem in den Holzfässern.
Die Energie für die Manufaktur kommt ressourcenbewusst aus umweltschonenden Quellen: Der Strom wird vorrangig von einer riesigen, gut kaschierten Photovoltaikanlage bezogen, die auf dem Parkplatz auch Strom für Elektroautos der Kunden kostenlos zur Verfügung stellt. Zudem wird modernste Kälte- und Klimatechnik eingesetzt. Die Wärme kommt von einer Hackschnitzelheizung, die von nahe gelegenen Sägewerken versorgt wird. Ein Teich fängt das Regenwasser von den großen Dachflächen auf.

Einer der Ausgangspunkte dafür war sein intensives und detailbesessenes Studium historischer Lagenkarten und vieler in Archiven schlummernder Dokumente. Dabei halfen ihm nicht nur seine historische und geologische Neugier, sondern auch eines seiner Hobbys – das Sammeln uralter Weinkarten von Restaurants, von Händler-Preislisten, von Versteigerungsunterlagen und von Weinbergkarten preußischer Steuerbeamter. Sein Eifer bestätigte nicht nur seine Träume von der Wiederauferstehung des historischen Renommees der Saarweine. Er entdeckte auf diese Weise auch einige einstmals wertvolle und manchmal fast vergessene alte Rieslinglagen, von denen das Weingut dann Parzellen zukaufte und mit enormem Aufwand renaturierte und rekultivierte.
Roman wollte immer schon weg von der Dominanz der Süßweine und doch bei der zartfruchtigen Leichtfüßigkeit der markanten Terroirweine der Saar bleiben. So baut er seine Weine überwiegend trocken aus mit derzeit stark nachgefragtem moderaten Alkoholgehalt, einer markanten Mineralität, einer opulenten Rieslingfrucht und einer komplexen Struktur, was alles zu überraschenden geschmacklichen Entdeckungen führt. Stilistisch knüpft Roman weiter gerne an die berühmten Saarweine aus Kaisers Zeiten an, die seinerzeit auch ein fast unglaubliches Lagerpotential hatten. Die Weine sollen die kargen, mineralreichen Schieferböden der legendären Steillagen an Saar und Mosel zeitlos abbilden und gut ausbalanciert ihre Herkunft in jedem Glas erleben lassen – mit Raffinesse und Eleganz. Sie sollen die Traditionen des Winzerhandwerks und zugleich neue Visionen für die Zukunft erkennen lassen. Das strebt er mit der Leidenschaft eines Winzers und der Präzision eines Schweizer Uhrmachers an und ist damit zu einem der wichtigsten Impulsgeber im Spitzenbereich der deutschen Weinwirtschaft geworden.
Seit Jahren wird das erfolgreiche Engagement von Roman Niewodniczanski mit Auszeichnungen auf höchster Ebene gewürdigt. Bereits 2002 wählte der Weinguide GAULT MILLAU das Weingut zur „Entdeckung des Jahres 2002 in Deutschland“, im Magazin FALSTAFF war Roman „Winzer des Jahres 2012“, in VINUM war er das 2018, im FEINSCHMECKER 2023 als „Winzer des Jahres international“. Im Rahmen der Meininger Excellence Awards erhielt Van Volxem 2019 den Ehrenpreis der Jury.
Wir konnten dreizehn Weine des Weinguts Van Volxem verkosten.
2024 VV Pinot Noir Rosé

Der Wein entwickelt im Glas zarte Aromen von roten Waldbeeren, frischen Erdbeeren, aber auch von einigen Äpfeln, dazu schwebt ein sehr dezenter mineralischer Hauch herum. Am Gaumen notieren wir begeistert die Frische, die Harmonie und die Fruchtbetonung, die wiederum aus roten Beeren resultiert, auch Cranberrys, Preiselbeeren und Himbeeren, sogar Kirschen sind dabei, alles sehr distinguiert und nicht aufdringlich. Der Rosé geht geschmeidig ab mit einer saftigen Frucht, einer frischen Säure, einer belebenden Mineralität und einem gewissen Schmelz. Das ist der Wein, der mit 11,5 Volumenprozent Alkohol als saftiger Begleiter mit einem ausgewogenen Säure-Süße-Spiel den Sommer verschönert oder an ihn erinnert. Er dürfte auch zu einem Salat Niçoise oder zu mild asiatisch marinierten Garnelen Vergnügen bereiten. Obgleich es ein ernsthafter Rosé ist, passt er mit seinem animierenden Schwung gut in die Linie VV – „Viel Vergnügen“.

2022 Pinot Blanc
Die Trauben für diesen Pinot Blanc kommen aus Schiefersteillagen in Wawern mit dem Goldberg, wo es auch Kalk-, Grauwacke- und Kieselboden gibt. Er ist komplett im Holzfass ausgebaut und reifte 15 Monate auf der Hefe.
In der Nase erleben eine gelbfruchtige Duftigkeit mit reifen Birnen, Äpfeln und Ananas, dazu viele Kräuter und sogar schon ein eindeutiger Eindruck von der Mineralik. Wir genießen geschmacklich eine animierende frische Fruchtigkeit und feine Würze mit dezenten Karamelltönen vom Holz. Die imposante Dichte dürfte wunderschönen kühlen Nächten des Spätherbstes im Weinberg zu verdanken sein. Die sortentypisch ohnehin eher ruhige Säure trifft eine leicht salzige Mineralik, die einen herrlich schmelzigen und wärmenden Abgang eskortiert. Ein stimmiger, energiereicher und runder Pinot Blanc mit einem stoffigen Gerüst und einer beschwingten Leichtigkeit, der unaufgeregt Druck macht. Er hat es verdient, wenn Sie ihm Scallops aus der Pfanne oder eine große französische Käseplatte servieren.
2023 Chardonnay

Der Wein offeriert ein fruchtiges, etwas nussiges und sanft mineralisches Bukett, in dem gelb-weiße Honigmelonen, überreife gelbe Pflaumen und eine sanfte Brise von Röstaromen die Spannung steigern. Den Gaumen umschmeicheln saftige gelbe Früchte und etliche Nuancen von Nüssen, Feigen und Kräutern auf dem „ein Hauch“-Level. Der Wein strahlt Harmonie und Tiefe aus. In die zarten Holztöne mischen sich eine inspirierende, gebändigte Säure und eine deutliche mineralische Würze. Der Abgang ist schön schmelzig und lässt einen noch lange auf der angenehmen Fruchtsüße herumschmatzen. Ein komplexer Chardonnay mit guter Struktur und Frische. Er eignet sich ideal als Solist und als Gesprächsthema. Er rundet aber auch gerne ein edles Hummergericht mit einer Rahmsoße ab.
2023 VV Cuvée

Die Linie VV – viel Vergnügen – gibt schon mal die Richtung vor. Tatsächlich haben wir einen herrlich frischen, burgundischen Wein im Glas. Er vereint im einladenden Bukett die Fruchtnoten der Rebsorten zu einem saftigen Potpourri aus Birne, Mirabelle, Mango, Zitrusfrüchten und gelber Honigmelone, dazu Nüsse und zarte florale und kräuterige Töne und eine kleine mineralische Anmutung. Im Mund kommen fruchtige und pikant-würzige Aromen aus dem Bukett gut an. Ein fülliger, vollmundiger, dennoch kühl und gradlinig wirkender Wein mit harmonisch angepasster mineralischer Unterstützung. Die reife, griffige, aber feingliedrige Säure und der winzige Gerbstofftouch geben dem Wein noch einmal einen Schub an Frische und Finesse. Ein cremiger, saftiger Schmelz führt in einen langen, kraftvollen Abgang. Möchten Sie mit ihm eine Speise pairen, so ist die Auswahl riesengroß. Gefällig macht man es unter vielem anderen mit Lammcarée vom Grill plus Spargelrisotto, einem medium rare Entrêcote oder einem echten holländischen oude Kruitkaas.

Wir sind auf der Stufe des Vergnügens jetzt beim ersten Riesling angelangt, und zwar bei einem feinherben. Die Reben wachsen auf Böden mit Devonschiefer, Grauwacke und vulkanischem Rhyolith, das man früher Quarzporphyr nannte. Der Ausbau erfolgte mit Spontanvergärung über sieben Monate im Edelstahl.
Wir erduften reife gelbe Früchte, gelbfleischige Pfirsiche, reife Zuckeraprikosen und Mirabellen mit einer klitzekleinen, im Riesling allgegenwärtigen Zitrusnote und Anklängen an weiße Blüten und an eine feine Mineralik. Der Wein ist am Gaumen bemerkenswert harmonisch: Seine präsente leichte Restsüße und seine aktive Säure sind trefflich ausbalanciert. Ein Wein, der dank seiner runden, strukturellen Mineralität auch im Abgang einen angenehm vollsaftigen, spritzigen Eindruck macht. „Unkompliziert“, sagt man heutzutage dankbar, man kann auch hinzufügen: „Typisch Saar.“ Ein Wein, der ganz einfach Spaß macht und damit jede Party anheizt. Es ist auch eine universelle Begleitung zu einem netten Grillfestival im Sommer.
2024 Saar Riesling

Der Saar Riesling trocken plätschert in einem hellen Strohgelb mit grünlichen Reflexen im Glas. Er duftet nach Zitrusrichtungen, weißen Pfirsichen, Mirabellen und Holunderblüten mit einer Ahnung von Feuerstein im Hintergrund. Am Gaumen fällt sofort die vibrierende Mineralität auf, die animierende Frische und das starke Aromenbündel voller exotischer Früchte. Im Mund mischen sich unter die Pfirsiche und Limetten schon mal einige Mangos und Papayas, aber auch Äpfel jener Sorte, die genauer und netter „Schöner aus Boskoop“ heißen. Zu den Früchten kommt eine herrliche Würze hinzu plus wilde Kräuter von Wiesen im kühlen Morgentau. Die knackige Saar-Säure wird von der Saar-Mineralität und der Fruchtsüße – nicht zu verwechseln mit Restsüße – in belebende Frische verwandelt. Stark im Auftritt und stark im langen Abgang, ein gradliniger und zugänglicher Visitenkarten-Wein voller Tiefe und Eleganz, den Roman Niewodniczanski gleich am Eingang vorzeigen kann.
2023 VV Schiefer

Wir schnüffeln nach etwas Belüftung des Glases begeistert an einem betörend fruchtigen Bukett herum: Pfirsiche, weiße Nektarinen, Granny Smith, Mirabellen und etwas rote Grapefruit. Alles ist beeindruckend stark mineralisch unterlegt von einer steinig-schiefrigen Würze die obendrein noch winzige kühl-kräuterige Nuancen von Salbei und Minze durchlässt. Schon der erste Schluck verbreitet auch am Gaumen eine reife Fruchtigkeit, eine strahlende Mineralität und runde Würze. Die Fruchtnoten von weißen Pfirsichen, grünen Äpfeln, Zitrus und die Töne von Kieselsteinen sind leicht vegetabil umrahmt. Er strömt saftig in eine fruchtig-frisches Finish, an dem man dank quicklebendiger, aber gut eingebundener Säure und dichter Mineralik noch lange herumschmatzt. Die Leichtigkeit und kühle Frische dieses trockenen, filigranen Rieslings, aber auch seine fast vornehme Eleganz machen ihn zum hochwertigen Erfrischungswein zu jeder Tages- und Nachtzeit. Er ist auch der animierende Begleiter von tausend Gerichten, von denen eins die langweiligen, aber pairingsicheren Meeresfrüchte, als klassisches Gericht die gebratene Seezunge oder als mutiges der Rheinische Sauerbraten sein könnten.
2023 Alte Reben

Enorm duftig funkelt der weißgoldene Wein im Glas mit animierenden Noten von Ananas, Äpfeln, roter Grapefruit, Weinbergpfirsich und einer Spur Orangenkonfit, dazu feine Nuancen von Kräutern und Mineralik. Die Bukettaromen spazieren allesamt nochmal über die Zunge, begleitet von einer frischen, knackigen Säure, einer betörend schmelzigen Fruchtigkeit, einer modern salzigen Mineralität und einem charmanten kleinen Gerbstoffkick – alles perfekt austariert. Der komplexe, dichte und bemerkenswert extraktreiche Spannungsbogen löst sich in einem langen schmelzigen, elegant straffen Finale mit enormer aromatischer Intensität. Ein Wein, der es verdient, aus dem Schatten der Großen Gewächse herauszutreten und neugierig macht auf die nächste Stufe der Pyramide. Wer unbedingt ein Speise-Pairing wünscht, sollte es nicht unter Seeteufelbäckchen machen. Der 2023 Alte Reben würde aber auch jeden Fisch in der Pfanne wiederbeleben und Muscheln auf dem Teller rocken lassen.
2024 Rotschiefer Riesling Kabinett
Dieser Wein kommt aus Lagen mit grauem, vor allem aber rotem, eisenreichen Verwitterungsschiefer in den Wiltinger GG-Lagen Gottesfuß, Kupp und Klosterberg und wohl auch Kanzemer Altenberg. Die Vinifizierung fand über acht Monate im Edelstahl statt. Mit dem feinherben Kabinett hat Roman einen Wein in der historisch-klassischen Tradition gemacht, die einst den Ruhm der Saar getragen hat.

In die Nase drängeln vielfältige Aromen von Pfirsichen, Zitronenmelisse, roten Äpfeln, Kumquat, Ananas, Macadamianüssen und ein Hauch Safran, dazu eine fantastische, extrovertierte Schieferduftigkeit. Am Gaumen treffen sich Pfirsiche, Honig, Passionsfrüchte und eine angenehme Würze. Das reife Säuregerüst gibt der Restsüße aus der überragenden Fruchtigkeit ein stabiles Rückgrat, eine Komposition, die diesen Saarweine unvergesslich macht. Die aktive Mineralität gibt dem Wein eine gewisse Süffigkeit mit und lässt uns in einem nahezu unendlichen Abgang schwelgen. Der Wein ist cremig elegant und beindruckend frisch und leichtfüßig, auf eine gewisse Art aber auch komplex. Er zeigt würdig seine natürliche, fein ausbalancierte opulente Fruchtsüße, die mit der Säure Versteck spielt und das Terroir authentisch abbildet. Die 10 Volumenprozent Alkohol lassen es erträglich erscheinen, dass dieser Wein süchtig macht, Schluck für Schluck, bis die Flasche geleert ist und eine neue her muss. Mit anderen Worten ist das der leckere Solist für einen netten Abend auf der Terrasse oder am Kamin. Er begleitet auch perfekt ein thailändisches Hähnchencurry mit Kokossoße und Jasminreis.
2023 Geisberg Riesling Kabinett

Der Wein kommt in der Nase gleich mit Litschis, Charente-Melonen, Ananas, Aprikosen, Mangos und Zitrusfrüchten rüber. Immer liegt ein Hauch von Exotik in der Luft, der mit zunehmender Belüftung auch florale Noten freigibt. Am Gaumen treten noch Honig und hochreife Pfirsiche und ein pikanter Anklang von frischem Ingwer auf. Harmonisch bewegt sich diese komplexe Aromatik mit einer rasanten, aber feinen Säure und der klirrenden Schiefermineralität auf eine markante Frische im ewig langen saftig-süßlichen Finale zu. Ein präzise fokussierter Kabinett, der eine perfekt ausbalancierte Kraft und geschliffene Eleganz mitbringt und sich gleichwohl bestens zum Süffeln und lautem Schmatzen bei vielen stilvollen Gelegenheiten eignet, am besten mit einem ordentlichen Flaschenvorrat und open end. Sollten Sie zwischendurch Lust zu einer kleinen feinen Speise verspüren, macht sich ein thailändisches Scampi-Risotto oder eine Hähnchenbrust mit Aprikosen besonders gut.
2024 Goldberg Riesling GG

Im Glas schimmert der Wein goldgelb mit zitronengelb-grünlichen Reflexen. Er lockt mit verspielten Aromen vollreifer Früchte wie Aprikose, Pfirsich, Mirabelle und Limette, aber auch mit Blütenaromen von Holunder und Akazie plus einer fruchtigen Zuneigung von Orange und Mango, dazu angedeutete Wildkräuter und Gewürze wie weißer Pfeffer. Als großer Rahmen wehen vielfältige Lüftchen von raffinierter Schiefermineralik aus dem Glas. Am Gaumen trifft ein außergewöhnlich gut gezügelter Säurenerv auf die vielseitige leicht süßliche und extraktreiche Fruchtigkeit mit der kühlen schiefrigen, salinen Mineralität und einer kleinen Gerbstoffspur: Alles verträgt sich in einem eindrucksvollen harmonischen Gleichgewicht voller Kraft ohne jegliche Wuchtigkeit. Im endlos langen saftigen und schön cremigen Finish liegt der fruchtige Schwerpunkt auf Weinbergpfirsich und Aprikosen und einem unscheinbaren Glanz von herbem Waldhonig, was den trockenen Gesamteindruck durchaus bereichert. Ein souverän strukturierter, finessenreicher, tiefgründiger, eleganter und ausdrucksstarker Riesling mit einer ausgeprägten Intensität. Genießen Sie den Wein als Solisten an jedem schönen Abend und schmecken Sie seine Herkunft. Natürlich hat dieser Wein noch viele Jahre Zeit, aber Sie vielleicht nicht, also machen Sie ihm und sich eine Freude und öffnen Sie jetzt schon eine Flasche zu einer mit Laugenknödel, Kalbsleber und Liebstöckel gefüllten Kalbsbrust.
2024 Maximiner Herrenberg Riesling Alte Reben trocken

Wir haben einen sehr lebendigen Riesling im strohgelb ausgeleuchteten Glas, der Düfte von Waldbeeren, gelben Pfirsichen, Mirabellen, Limetten und ganz dezent auch pflanzlich-würzige Noten von Rosen verströmt. Um die Zunge herum verteilt sich eine fruchtige präzise geschliffene Struktur mit einem eher wärmenden Charakter, die durch eine zärtliche Restsüße verführt wird und deren reife Säure einen guten Griff im Süße-Säure-Spiel liefert. Eine schöne, ganz leicht salzige Schiefermineralik rundet mit ordentlichem Druck und Extrakt die Sortentypizität und die trockene Ausrichtung ab. Im Finale steckt noch einmal Kraft und Saft und eine schöne Eleganz, die das Mosel-Terroir sensorisch authentisch erleben lässt. Die alten Reben führen bekanntlich an das Tor zum Riesling-Himmel, wer es etwas geerdeter möchte, verwöhnt sich und diesen Wein mit einem Kalbsrücken an Morchelrahm oder einem Saibling in Safransoße.
18.05.2026
Fotos: © Weingut Van Volxem